Franziska Becker hakt nach: Was wird aus der "Neuen" Schwimmhalle in der Krumme Straße in Charlottenburg?
18.07.2022: Sanierungsbedingte Schließung + Daseinsvorsorge gefährdet + Doppelstrategie und konzertiertes Vorgehen nötig + Übergangslösung in Form einer Traglufthalle prüfen * Sanierungsmittel in Haushaltsberatungen erwirken
Seit Anfang des Jahres kümmert sich die Wilmersdorfer Abgeordnete um die Zukunft der neuen Schwimmhalle in der Krumme Straße in Charlottenburg, die sanierungsbedingt schließen musste.
Das ist der aktuelle Stand:
- Juli 2022
Eine Nachfrage von Franziska Becker bei der Sportverwaltung ergab am 14. Juli 2022 folgende Rückmeldung:
Für das Stadtbad Charlottenburg (Neue Halle) sind die Planungen für eine grundlegende Sanierung angelaufen. Eine Finanzierung dieses Projekts, das aktuell auf rund 35 Mio. Euro geschätzt wird, ist derzeit ungeklärt. In der Planung der BBB (Berliner Bäderbetriebe) ist derzeit der Beginn des Vorhabens ab 2027 vorgesehen, unter der Annahme, dass entsprechende Mittel spätestens im Doppelhaushalt 2024/2025 zur Verfügung gestellt werden. Ergänzend dazu wird die Einwerbung von Bundesfördermitteln geprüft."
Der Senat beabsichtigt darüber hinaus zu prüfen, ob ein vorzeitiger Maßnahmenbeginn möglich ist und ob es Möglichkeiten gibt, eine temporäre Entlastung durch Interimsmaßnahmen zu schaffen, etwa eine Traglufthalle zur zeitlichen Überbrückung während der Sanierungsmaßnahmen.
Der Haken: Das kann mit Blick auf die zu erwartende winterliche Energiekrise und die damit verbundenen Kostensteigerungen bis zu einem Dreifachen ansteigen, so die Schätzung der BBB, schwierig werden, weil Tragluft- oder Leichtbauhallen einen hohen Energiebedarf haben, so dass diese Alternativen möglicherweise kaum umsetzbar, da nicht finanzierbar, sein werden.
- Mai und Juni 2022
Die Berliner Morgenpost berichtete am 31. Mai 2022 zum Thema (der vollständige Beitrag hinter der Bezahlschranke siehe unten).
Franziska Becker: "Bislang sind lediglich die Mittel für die Planung berücksichtigt, nicht aber für die Finanzierung der baulichen Umsetzung des Stadtbads. Wir müssen grundsätzlich und langfristig die Instandhaltung unserer Bäder im Blick haben, damit sie lange erhalten bleiben und die Kosten für Sanierungen nicht explodieren, so wie wir es bei den Schulen im Rahmen der Berliner Schulbausanierung bereits tun".
Dem obigen Pressebeitrag ging eine gemeinsame Pressemeldung voraus.
Die Krumme Straße war auch Thema der Haushaltsberatungen. Franziska Becker wollte von der Sportverwaltung wissen, welche Aussagen bezüglich einer Zwischenlösung getroffen werden könnten.
Die Fragen & Antworten:
In Charlottenburg ist die Schwimmhalle in der Krumme Straße für mehrere Jahre bis zur Sanierung geschlossen. Für das Kombibad Seestraße hat es im vergleichbaren Fall die Zwischenlösung einer Traglufthalle gegeben. Wie bewerten die Berliner Bäderbetriebe resp. der Senat dieses Zwischenlösungsmodell und wird es davon weitere an anderen Standorten geben? Wenn nicht, warum nicht (ggf. in konkreten Zahlen)?
Antwort: Inwieweit eine Ausweitung an anderen Standorten erfolgen soll, wird in Abwägung mit anderen In- terimslösungen von den BBB noch geprüft. Eine Traglufthalle kann grundsätzlich eine Lösungsmög- lichkeit darstellen. Die BBB werten in den kommenden Monaten die Projektphase der Traglufthalle am Standort des Kombibades Seestraße aus, die seit 2019 in Betrieb ist. Nach Vorlage der Ergebnisse wird gemeinsam mit dem Aufsichtsrat der BBB erörtert, ob das Modell fortgesetzt wird und ob gegebenenfalls weitere Standorte in Frage kommen. Eine Kosten-Nutzen-Abwägung wird nach Abschluss der jetzt laufenden Wintersaison vorgenommen werden. Erst nach Vorlage dieser Zahlen kann eine Bewertung und Empfehlung vorgenommen werden.
Welche Zwischenlösung (als bessere Alternative für jahrelangen Leerstand) ist für die Krumme Straße in Charlottenburg genau vorgesehen? Wie sieht das Konzept für die Zukunft aus? Wie ist der Stand der Umsetzung (ggf. in konkreten Zahlen verdeutlichen)?
Antwort: Ein Sanierungskonzept für die grundhafte Instandsetzung und Modernisierung des Stadtbads Charlottenburg (Neue Halle) ist im Aufsichtstrat der Berliner Bäder-Betriebe verabschiedet worden. Vorgehen ist, die Sanierung des Bades zu nutzen, um einerseits die seit langem geforderte Barrierefreiheit der Standorte Neue Halle und Alte Halle herzustellen und außerdem aus den beiden nebeneinanderliegenden Bädern einen gemeinsamen Bad-Standort zu machen mit einem Eingang und einem zentralen Garderobenbereich. Die ausschreibungsvorbereitenden Planungen sind noch nicht abgeschlossen. Bisher sind hierfür Planungsmittel in Höhe von ca. 3,9 Mio. € eingeplant. Eine Umsetzung ist für die Jahre 2027 ff. vorgesehen. Alle Schulen und Vereine sind derzeit mit Ersatzflächen in anderen Bäderstandorten versorgt. Infolgedessen können die BBB an diesen Standorten jedoch weniger Schwimmzeiten für die allgemeine Öffentlichkeit zur Verfügung stellen.
- Januar 2022
Die Antwort auf die schriftliche Anfrage von Franziska Becker an den Senat erfordert aus ihrer Sicht eine Doppelstrategie und ein konzertiertes Vorgehen der Landes- und Bezirksebene.
Franziska Becker: "Die `neue´ Schwimmhalle Charlottenburg in der Krumme Straße ist so sanierungsbedürftig, so marode, dass sie nicht mehr öffnen wird. Bis auf weiteres entfällt dort das Schul-, Jugend- und Vereinsschwimmen. Der Ausfall wird kompensiert, indem auf benachbarte Standorte ausgewichen wird. Für die breite Öffentlichkeit schrumpfen die Kapazitäten zusammen, die Alternativen sind endlich. Wir brauchen eine Doppelstrategie. Wir sollten uns als Haushälter:innen und Verantwortliche in den Bezirksämtern sowohl für eine Übergangslösung stark machen, etwa für eine Traglufthalle, wie es eine als Pilotprojekt in Reinickendorf übergangsweise gibt als auch für eine zügige Sanierung. Ohne eine Zwischenlösung würde ein wichtiges Angebot der öffentlichen Daseinsvorsorge über Jahre wegfallen. Bislang sind lediglich Mittel für die Planung berücksichtigt, nicht aber für die Finanzierung der baulichen Umsetzung. Diese sollen Gegenstand der Haushaltsberatungen sein. Eine Traglufthalle bietet sich als echte Übergangslösung an, so wie es das Pilotprojekt in Reinickendorf tut und sollte wohlwollend und rasch von den Berliner Bäderbetrieben und Sportverwaltung geprüft werden. Laut Berliner Bäderbetriebe ist es das Ziel, die beiden Schwimmstandorte, also neue und alte Halle als ein Gesamtangebot barrierefrei zusammen zu führen. Im bevorstehenden Haushaltsprozess schadet es m.E. darüber hinaus sicher nicht, wenn sich flankierend eine sich gut artikulieren könnende Öffentlichkeit organisiert."
Schriftliche Anfrage (PDF)
Der Beitrag in der Berliner Morgenpost vom 31. Mai 2022 mit einem Statement von Franziska Becker ist ein Paid Content-Beitrag. Hier kann der vollständige Beitrag von Charlotte Bauer gelesen werden:
Um die Finanzierung der Sanierungsarbeiten der Neuen Halle des Stadtbades Charlottenburg an der Krumme Straße voranzutreiben, will die SPD-Fraktion des Bezirkes jetzt Wohnungen über der Schwimmhalle bauen lassen. Die Bezirksstadträtin für Sport und Liegenschaften, Heike Schmitt-Schmelz (SPD), hat das Vorhaben bereits von den Berliner Bäderbetrieben (BBB) prüfen lassen. Das Ergebnis ist jedoch zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht bekannt. Als Nächstes solle das Projekt in der Bezirksverordnetenversammlung (BVV) von Charlottenburg-Wilmersdorf diskutiert werden. In einem weiteren Schritt soll geschaut werden, ob man mit landeseigenen Wohnungsbaugesellschaften zusammenarbeitet.
"Die geplante Zusammenlegung der beiden Standorte des Stadtbads Charlottenburg, ,Alte und Neue Halle’, ist eine Chance. Aus meiner Sicht muss aber auch geprüft werden, ob die ,Neue Halle’ komplett neu gedacht wird und das Gebäude mit Wohnungen überbaut wird und wie vorgesehen mit dem Standort ,Alte Halle’ barrierefrei verbunden werden kann", so Schmitt-Schmelz. Zur Einordnung: Im Zuge der Sanierungsarbeiten wollen die BBB die Gelegenheit nutzen, um die Neue Halle mit der Alten Halle zu einer betrieblichen Einheit mit einem gemeinsamen, barrierefreien Eingang zu verbinden.
Wie in Friedrichshain: Schwimmbad mit oben angrenzenden Wohnungen Als Beispiel für die Überbauung mit Wohnungen soll das Projekt an der Holzmarktstraße in Kreuzberg dienen. Dort soll erstmals ein Schwimmbad mit oben angrenzenden Wohnungen und Büros gebaut werden.
Franziska Becker, SPD-Abgeordnete für Charlottenburg-Wilmersdorf kritisiert, dass bislang lediglich die Mittel für die Planung berücksichtigt seien, nicht aber für die Finanzierung der baulichen Umsetzung des Stadtbads. "Wir müssen grundsätzlich und langfristig die Instandhaltung unserer Bäder im Blick haben, damit sie lange erhalten bleiben und die Kosten für Sanierungen nicht explodieren, so wie wir es bei den Schulen im Rahmen der Berliner Schulbausanierung bereits tun", so Becker.
Sanierungskosten werden auf zweistelligen Millionenbetrag geschätzt Aktuell ist es so, dass die Neue Halle des Stadtbad Charlottenburg erst 2027 wegen der fehlenden Finanzierung saniert werden kann. Anfang November vergangenen Jahres musste die Schwimmhalle schließen, da sie zu marode ist. Der bauliche Zustand des Gebäudes sei so schlecht, dass nur eine Komplettsanierung infrage kommt. Wie teuer diese sein wird, könne man noch nicht sagen, erklären die Berliner Bäderbetriebe. Sicher sei aber, dass es sich um einen hohen zweistelligen Millionenbetrag handeln werde, so BBB-Pressesprecher Matthias Oloew.
Bis dahin entfällt bis dort das Schul-, Jugend- und Vereinsschwimmen sowie das öffentliche Schwimmen. Der Ausfall des Schul-, Jugend- und Vereinsschwimmen wird aktuell kompensiert, indem auf benachbarte Standorte ausgewichen wird. Folglich wurden jedoch die Angebote für die Öffentlichkeit reduziert.
Laut Alexander Sempf, SPD-Fraktionsvorsitzender der BVV Charlottenburg-Wilmersdorf, würde ohne eine Zwischenlösung ein wichtiges Angebot der öffentlichen Daseinsvorsorge über Jahre wegfallen. Er hat einen weiteren Vorschlag: Eine Traglufthalle bietet sich laut Sempf als "echte Übergangslösung" an. Als Beispiel nennt er das Pilotprojekt in Reinickendorf. Dies sollte jetzt wohlwollend und rasch von den Berliner Bäderbetrieben. "Ein jahrelanger Leerstand der Neuen Halle muss dringend verhindert werden und die Mittel für die Umsetzung müssen früher verfügbar sein", betonte Sempf.