Der Bundesplatz soll schöner werden
13.08.2011: Bürgerinitiative engagiert sich für mehr Lebensqualität
Franziska Becker im Gespräch mit Wolfgang Severin
Im Juli stellte ich Wolfgang Severin, dem Vorsitzenden der Initiative Bundesplatz e.V. fünf Fragen über eine mögliche Zukunft für den Bundesplatz.
1. Sie wohnen am Bundesplatz. Wie halten Sie es dort überhaupt noch aus? Kann man dort noch leben?
Ja natürlich, aber die Stadt- und damit auch die Lebensqualität haben ständig abgenommen, insbesondere östlich und südlich des Platzes. Bundesplatz, Wex- und Detmolder Straße werden den Erwartungen der Bürger an den öffentlichen Raum nicht mehr gerecht. Wir leiden zunehmend daran, dass unser Kiez durch die verkehrlichen und baulichen Barrieren in zwei ungleiche Hälften zerschnitten wird. Der Platz selbst erfüllt seine Funktion als Quartiersmitte nicht und bietet keine Aufenthaltsqualität. Das wollen wir ändern.
2. Was tut ihre Bundesplatz-Initiative, damit etwas anders wird?
Eine ganze Menge: Wir setzen uns auf vielen Feldern dafür ein, dass Bundesplatz und -allee ihre urbanen Raum- und Platzqualitäten zurückgewinnen, die noch vorhandenen positiven quartierspezifischen Qualitäten des Kiezes erhalten bleiben und verloren gegangene revitalisiert werden.
Auf eine kurze Formel gebracht: Es muss wieder mehr Stadt- und Lebensqualität her! Insgesamt arbeiten sechs Arbeitsgruppen des Vereins an Anregungen und Vorschlägen dazu. Zusätzlich sprechen wir mit allen Akteuren im Stadtquartier sowie mit Politik, Verwaltung und Wissenschaft über die Zukunft des Quartiers. Und wir kümmern uns um die kleinen alltäglichen Dinge: säubern demnächst den Platz von Müll, pflanzen Blumen und Stauden und haben Vorschläge, wie der Platz belebt werden kann.
3. Was genau muss in Ihren Augen passieren? Kurz-, mittel- und langfristig?
Da gibt es ganz konkrete Wünsche für die nächste Zeit: Leitplanken am Platz weg und Zugänge auf die Grünanlage von Mainzer und Tübinger Straße! Ein barrierefreier Weg, der diese Platzzugänge verbindet und die Grünanlage erschließt, Abriss der Mauern und Zäune, Schaffung von Blickachsen, eine schönere Präsentation der "Winzerin". Weiteren Handlungsbedarf sehen wir im Umfeld des Platzes: z.B. Abschaffung des "Grünen Pfeils" Ecke Bundesallee/Wexstr., Neukonzeption des hässlichen P+R-Platzes an der S- und U-Bahn Station zu einer Car-Sharing-Station oder einem Standort für E-Mobilität, sozusagen als Pilotprojekt für den Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf. Schließlich gemeinsam mit den Eigentümern und dem Bezirk einen "runden Tisch" zur städtebaulichen Situation an der Bernhardstraße.
Unser Fernziel ist und bleibt jedoch der Rückbau von Bundesallee und Bundesplatz, ein zwar kühnes aber nicht unrealistisches Vorhaben.
4. Welche Aufgaben sind dabei an wen zu verteilen?
Zugegeben, es ist eine große Aufgabe, die wir nicht ohne Unterstützung der Kommunal- und Landespolitik sowie der Parteien stemmen können. An die BVV und den Bezirk apelliere ich, uns die Maßnahmen nicht zu verwehren, die kurzfristig eine Verbesserung der Aufenthaltsqualität auf dem Platz schaffen. An das Abgeordnetenhaus und das Land geht die dringende Bitte, Konsequenzen aus dem Stadtentwicklungsplan Verkehr und der Gesamtverkehrsprognose 2025 zu ziehen und langfristig die Mittel für einen Rückbau der autogerechten Stadt an Bundesplatz und Bundesallee bereitzustellen.
5. Wenn ich in 15 Jahren den Bundesplatz und seine Nah-Umgebung für einen Onkel in Amerika filme, was wäre darauf zu sehen?
Ein urbaner Platz natürlich! Sie filmen den Bundesplatz als Vorzeigeprojekt des Bezirks einer neuen IBA in Berlin, die den Rückbau der autogerechten Stadt und die Revitalisiering der überdimensionierten Verkehrsachsen zum Thema hat. Der Onkel sieht eine Delegation aus Berlins Patenstadt Los Angeles, die sich darüber informiert, wie toll Berlin aus dieser Verkehrsbrache einen Platz gemacht hat, der die Bürger zu vielen Aktivitäten inspiriert: Junge Eltern nutzen den Platz mit ihren Kindern, die Beschäftigten aus den Büros und Praxen rund um den Platz verbringen in bequemen Stühlen bei einem Kaffee ihre Mittagspause am "Platz der Winzerin". Eine temporäre Open-Air-Art-Session lockt Touristen und Anwohner an, sich über die neusten Trend der Street-Art zu informieren. Abends zeigt das Bundesplatz-Programmkino Langs "Metropolis" auf der Open Air Bühne.
August 2011: BVV-Anträge der SPD-Fraktion zur Aufwertung des Bundesplatzes eingebracht
Im August 2011 hat die Fraktion der SPD in der Bezirksverordnetenversammlung die folgenden drei Anträge zur Aufwertung des Bundesplatzes eingebracht. Die Anträge II und III sind im Konsens mit den anderen Parteien gleich zur Beratung in den Stadtplanungsausschuss überwiesen worden. Über den Antrag I wird in der BVV abgestimmt.