Wilmersdorfer Wahlkreistag vom 7. März 2014

21.03.2014: An meinem Wahlkreistag zum Thema Frauen&Gender besuchte ich drei Stationen

Mein 1. Wilmersdorfer Wahlkreistag fand am Vortag des internationalen Frauentages zum Thema Gender&Frauen statt. Mit den Wahlkreistagen möchte ich die KollegInnen stärker einbinden, die im Bezirk Charlottenburg-Wilmerdorf resp. in der Bezirksverordnetenversammlung (BVV) Verantwortung tragen.

Das Charlottenburg-Wilmersdorer Frauen-Netzwerk ist umfangreich und vielfältig. Etablierte Einrichtungen wie das Unternehmerinnen- und Gründerinnenzentrum (UCW) in der Sigmaringer Straße werden ergänzt um bestehende aber auch neuere Einrichtungen und Angebote, etwa den Stadtteilmüttern im Bezirk.

Da ein Teil der Einrichtungen durch den Senat (mit)finanziert werden und es meine Aufgabe als Abgeordnete und Haushaltsgesetzgeberin ist, zu wissen, was gut bzw. weniger gut läuft, besuche ich regelmäßig Angebote, die sowohl in meinem Wahlkreis liegen als auch jene, mit denen ich fachpolitisch befasst bin. Zu wissen, "was läuft", informiert zu sein, zu erfahren, welche Wünsche oder Anregungen es gibt, die ggf. als parlamentarische Initiative eingebracht werden (beispielsweise in Form von Besprechungs- oder Berichtspunkten, als kleine Anfrage oder Antrag an den Senat), ist m.E. eine wesentliche Aufgabe von Abgeordneten.

Erste Station: D3-Mädchentreff
Meine erste Station an diesem sonnigen aber noch kühlen Freitag war der D3-Mädchentreff in der Düsseldorfer Straße 3. Im Hinterhof gelegen, hell und mit viel Platz, bietet dieser Stadtraum einen Zufluchts- und Rückzugsort für Mädchen und Frauen zwischen 8 und 27 Jahren. "Die Mädchen und jungen Frauen kommen zu uns, wenn sie Unterstützung brauchen, um Schwierigkeiten des Alltages besser bewältigen zu können oder um ihre Freizeit mit Spiel, Spaß und Angeboten zu verbringen", so Pia Klein, Mitarbeiterin im D3-Mädchentreff. In der großen Küche wird etwa über gesunde Ernährung geredet und gekocht, es werden Fragen zu Verhütung und Aufklärung beantwortet und vor allem wird ein Ort geboten, wo "Mädchen und junge Frauen sowohl Mädchen als auch Mutter sein können", sagt Beate Basson, die Leiterin des Projekts. Nach einem kurzen Rundgang durch die neu gestalteten Räumlichkeiten, in denen Hausaufgabenhilfe, Musik- und Sportkurse angeboten werden erzält uns Frau Basson, dass sie mit ihrem Team nicht nur das Familienzentrum aufgebaut hat, sondern sich weiter ehrgeizige Ziele gesetzt hat. Es kommen junge Frauen mit Ängsten und die mit ihrem kleinen Kind (noch) keinen Ausbildungsplatz gefunden zu haben. Ich wies hier auf die Möglichkeit der Teilzeitausbildung hin. Ein gutes Arbeitsmarktinstrument für diese Zielgruppe, doch m.E. noch viel zu unbekannt v.a. bei Arbeitgeberin und zu wenig durch Jobcenter angebote. Für Teilzeitausbildungen können staatliche Subventionen beantragt werden, wenn junge Mütter in Teilzeit ausgebildet werden.

Mädchenzentrum D3 - Im Dialog mit der Leitung

Das D3-Team hat sich hier viel vorgenommen und möchte einen Beitrag leisten, das nicht immer ganz einfach zu blickende Angebot zwischen Schulabschluss und Ausbildung zu durchschauen. Viele Mädchen kommen und lassen nur geringe Kenntnisse darüber durchblicken, welche Voraussetzungen es für eine Berufsausbildung gibt bzw. wie der Weg dahin ist. Der D3-Mädchentreff möchte hier durch Kooperationen mit Berufsbildungswerken aufklären und helfen und kann Betriebspraktika vermitteln. Pia Klein ist es wichtig, dass bei der Berufsorientierung Stereotypen noch mehr aufgebrochen werden müssen.

Abschließend lud ich das D3-Team mit Mädchen zu einem Besuch im Abgeordnetenhaus ein.

Fazit: Ein wunderbares Projekt, dass vielseitig die Frauenarbeit im Bezirk stützt und gestaltet!

Nächste Station: Raupe&Schmetterling
Mein nächster Halt war der Verein Raupe und Schmetterling - Frauen in der Lebensmitte e.V. in der Pariser Straße 3, gleich um die Ecke des D3-Mädchentreffs. Den Verein gibt es seit über 30 Jahren und dient dem Zweck, Frauen in ihrer Lebensmitte bei der Bewältigung unterschiedlicher Herausforderungen zur Seite zu stehen, etwa mit Angeboten zu beruflicher Neuorientierung, Weiterbildung, Wege in die Selbstständigkeit, Rechtsberatung, Angst vor Altersarmut, Arbeitslosigkeit, Erkrankungen, etc. - ein ganz ganz großes Thema!

Die professionelle Arbeit von Raupe&Schmetterling ist hoch anerkannt und wird aus unterschiedlichten Geldquellen gefördert, durch die Fraueninfrastruktur der Senatsverwaltung für Arbeit, Integration und Frauen, aus dem europäischen Sozialfonds(ESF) sowie die Aktion Mensch gehören zu prominenten Unterstützern. Ein weiteres wichtiges Thema bleibt für die Mitarbeiterinnen die Tarifanpassung bei den Trägereinrichtungen. Dafür werden wir uns in den nächsten Haushaltsberatungen weiter einsetzen. Die Mitarbeiterinnen bedauern die fehlende Kontinuität der Ausfinanzierung des Vereins, kein singuläres Problem. Die essentielle Beratungsarbeit, die die Frauen in Charlottenburg-Wilmersdorf leisten, sollte besser durch Kontinuität geprägt sein und nicht von Maßnahme zu Maßnahme finanziert werden, so ein geäußerter Wunsch, den ich nicht zum ersten Mal hörte.

Im Gespräch mit Frau Keukert und Frau Mundt.

"Frauen, die sich nach der Familienphase wieder in den Arbeitssmarkt integrieren wollen, stehen oft vor einer Mammutsaufgabe. Das Thema Weiterbildung ist daher so wichtig", so Frau Keukert, Pädagogin in dem Team von Raupe&Schmetterling. "Viele Frauen, die die Räumlichkeiten des Vereins aufsuchen, können aufgrund physischer oder psychischer Erkrankungen nur schwer in den Arbeitsmarkt integriert werden, oft eine Abwärtspirale, die in Altersarmut münden kann. Ein Thema, das leider immer noch zu wenig ein öffentliches ist", so Angelika Mundt vom Verein. Das sind unsere sozialdemokratischen Anliegen, denen wir uns viel mehr stellen müssen.

Dritte Station: Die Stadtteilmütter
Abschließend besuchten wir an meinem "Frauentag" die Hardenbergstraße, zwar nicht in meinem Wahlkreis, doch Sitz der Stadtteilmütter Charlottenburg-Wilmersdorf. Hier begleitete mich Annegret Hansen, Mitglied der SPD-Fraktion in der Bezirksverordnetenversammlung von Charlottenburg-Wilmersdorf.

Das Stadtteilmütter- und Integrationslotsen-Programm wird durch die Senatsverwaltung für Arbeit, Integration und Frauen seit Jahresangang regelfinanziert und beschäftigt vier neue Stadtteilmütter. Sie haben eine vom Senat finanzierte Weiterbildung durchlaufen. In Themenbereichen wie Verwaltungs- und SGB-Lehre, Gesprächsführung, sexuelle Erziehung etc. haben sie wichtige Kompetenzen erworben und sollen nun Familien in der Wohnumgebung aufsuchen und unterstützen oder bei Behördengängen begleiten, um Unsicherheiten abzubauen. Sie erstellen "vor Ort", dort wo es gebraucht wird, eine Familiendiagnose und helfen durch Kontinuität und Vertrauen alltägliche Schwierigkeiten zu lösen. Einmal in der Woche findet ein Reflexionstag statt, an dem die Stadtteilmütter mit den Projektkoordinatorinnen die Woche auswerten und sich beraten.

"Das Stadtteilmütter-Projekt lebt von Kontinuität. Darum ist die Finanzierung ein erhebliches Anliegen", teilte mir Frau Hesse-Grisinski, Leiterin des Projekts, mit. Mit dem Projekt wird den Stadtteilmüttern eine Wertigkeit zugesprochen und sichert ihnen eine Zukunftsperspektive.

Um es abschließend mit den Worten von Frauensenatorin Dilek Kolat ebenso wie Stadtentwicklungssenator Michael Müller zu sagen: "Die Stadtteilmütter sind eine Berliner Erfolgsgeschichte." Eine Erfolgsgeschichte, die ausbaufähig ist, um den Alltag vieler Familien, Integration und sozialen Aufstieg in unserem Bezirk besser zu ermöglichen.

Ich freue mich auf meine nächsten Wahlkreistage aber auch darauf, die heute besuchten Einrichtungen im Wilmersdorfer Kiez wieder besuchen zu können.

Text: Isabel Hermann und Franziska Becker.

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