Mein berufsbildungspolitischer Rück- und Ausblick

  • 1. Entwicklungen und Programme

Meine politische Arbeit im Jahr 2014 stand klar im Zeichen der wachsenden Stadtgesellschaft und der Förderung einer aktiven "Aufstiegs- und Willkommenskultur".

Insbesondere an einer Stärkung der Aufstiegs- und Willkommenskultur arbeitete ich zu Beginn des Jahres intensiv mit. Im Fokus stand das Berliner Anerkennungsgesetz für ausländische Berufsabschlüsse (BQFG), welches am 20. Februar 2014 im Parlament verabschiedet wurde (hierzu meine Rede in II. Lesung v. vom 30.01.2014, S. 4276 bis 4282). Durch dieses Gesetz werden die Anerkennungsverfahren deutlich transparenter ausgestaltet und schneller ausgeführt. Hierdurch profitieren nicht nur vor allem Migrantinnen und Migranten, sondern auch die Berliner Wirtschaft. Aktuell müssen die Verwaltungskosten für die Anerkennungsverfahren noch selber getragen werden. An diesem Punkt möchte ich im neuen Jahr weiter ansetzen, damit auch wirklich alle Menschen von diesem Gesetz voll profitieren können.

Des Weiteren wurde in diesem Jahr die Anerkennung von Leistungen von Menschen mit Behinderung gestärkt. Seit Juni 2014 gibt es eine einheitliche Zertifizierung von beruflichen Bildungsmaßnahmen, die von Menschen mit Behinderung absolviert (s. meine schriftliche Anfrage) wurden. Bundesweit ist Berlin das dritte Land, welches eine einheitliche Zertifizierung ausgibt und somit auch die Bedeutung der beruflichen Bildung für Menschen mit Behinderung klar hervorhebt. Die einheitliche Zertifizierung ist meiner Meinung nach ein wichtiger Schritt dahingehend gewesen, Menschen mit Behinderung die Anerkennung zukommen zulassen, die sie verdienen. Hier darf aber nicht Schluss sein. Es bedarf weiterer Anstrengungen, um Menschen mit Behinderung weiter in die Mitte der Gesellschaft zu rücken und selbstverständlich am Arbeitsmarkt teilhaben zu lassen.

Unter dem Motto: "Nicht für die Schule, sondern für das Leben lernen wir" steht aktuell das Konzept des dualen Lernens. Ziel des dualen Lernens ist es Schülerinnen und Schülern der 7.-10. Klasse intensiv und so früh wie möglich auf die Arbeits- und Berufswelt vorzubereiten. Im Kern des Konzeptes wird dabei das schulische Lernen praxisorientiert mit Inhalten aus dem Wirtschafts- und Arbeitsleben verknüpft und an speziellen Lernorten vermittelt. Lernorte sind zum Beispiel eigene schulische Werkstätten, Schülerfirmen, berufliche Schulen, öffentliche Verwaltungen, betriebliche Werkstätten und Betriebe. In Zeiten einer starken Ausbildungsabbruchsquote von circa 33,3 Prozent ist das duale Lernen eine wichtige Komponente in der Ausbildungs- und Berufsorientierung. Junge Menschen können hierbei praxisnah ihre Stärken und Potenziale ausloten und sich später passgenau für ihren individuellen Ausbildungszweig entscheiden. Aber natürlich muss auch dieser gute Ansatz noch weiterentwickelt werden, damit wir wirklich alle Schülerinnen und Schüler gleichwertig daran teilhaben lassen können. Hierzu gehört eine zentrale Vermittlung von Praktika zwischen den Schulen und der Wirtschaft sowie ein einheitliches Konzept mit staatlichen Unterstützungsangeboten für die Schulen.

Für eine bessere Berufsorientierung und vor allem Vermittlung der Jugendlichen in Ausbildung steht die Jugendberufsagentur, welche ich in diesem Jahr hauptsächlich begleitet habe. Ziel der Jugendberufsagentur ist die Verminderung der Jugendarbeitslosigkeit durch eine konsequente Koordinierung und Absprache aller Unterstützungsleistungen für U25 unter "einem Dach". Am 17.12. wurde hierzu eine landesweit verbindliche Vereinbarung zwischen den kooperierenden Akteuren (Arbeits- und Schulsenat, Regionaldirektion, bezirkliche Vertreter, Sozialpartner, UVB und DGB, die Kammern, der IHK und HWK, der Landesjugendhilfeausschuss und des Landesausschusses für berufliche Bildung) verabschiedet. Schon im nächsten Halbjahr soll damit begonnen werden die Anlaufstellen der Jugendberufsagentur sukzessiv aufzubauen. In Hamburg ist die Jugendberufsagentur bereits ein voller Erfolg. So konnte schon nach einem Jahr die Jugendarbeitslosigkeit deutlich reduziert sowie der Wissensstand zum Verbleib der Jugendlichen nach der Schule ausgeweitet werden.

Mehr zur Jugendberufsagentur

2. Entwicklung in Zahlen Das die eben dargestellten Entwicklungen und Programme dringend notwendig sind, zeigt der aktuelle Berliner Berufs- und Ausbildungsmarkt. Hierzu möchte ich kurz ein paar Zahlen und Fakten präsentieren: Die Jungendarbeitslosigkeit ist im November auf 9,6 Prozent gefallen und liegt somit klar unter dem Senatsziel von unter 10 Prozent. Das ist der niedrigste Stand seit vielen Jahren und damit in jedem Fall ein Erfolg. Jedoch steht Berlin im Bundesvergleich immer noch an letzter Stelle. Wir können uns also in keinem Fall auf dieser Quote ausruhen. Es ist daher umso notwendiger, noch mehr Energie in die Förderung des Berliner Ausbildungsmarktes zu investieren. Im aktuellen Ausbildungsjahr stehen 1505 unversorgte Bewerberinnen und Bewerber 643 unbesetzten Ausbildungsstellen gegenüber. Für diese Diskrepanz geben sich Arbeitgeber und Arbeitnehmer gegenseitig die Schuld. Erstere sagen, dass die Jugendlichen nur unzureichend ausbildungsreif wären. Die Gewerkschaften hingegen kritisieren die allgemeinen Ausbildungsbedingungen. Ich denke, dir Wahrheit liegt hier in der Mitte. Die Politik muss daher die Berufsorientierung und -vorbereitung weiter stärken und zugleich die Wirtschaft mit klaren Vorgaben und Kontrollen zur Qualität der Ausbildung in die Verantwortung nehmen. In jedem Fall müssen wir die Unternehmen im Punkto der Ausbildungsplätze in die Verantwortung nehmen. Dieses Jahr bilden nur 12,6 Prozent von insgesamt 90.200 Berliner Betrieben aus. Zugleich fordert die Wirtschaft immer mehr und bessere Fachkräfte. Hierzu sage ich: Wer Fachkräfte will, muss bereit sein diese auch selber auszubilden. Eine flächendeckende Ausbildungsumlage wäre ein geeignetes Mittel, um mehr und vielfältigere Ausbildungsplätze sicherzustellen.

3. Ausblick Meiner Meinung nach wird die bereits angesprochene Jugendberufsagentur einen sehr starken Einfluss auf den Ausbildungs- sowie Arbeitsmarkt im nächsten Jahr haben. Im Januar erwarte ich die Senatsvorlage zur Abstimmung im Berliner Abgeordnetenhaus. Dabei wird es insbesondere noch einmal wichtig sein zu prüfen, ob ein klares und bedarfsgerechtes Finanzierungskonzept vorliegt und wichtige Fragen des Datenschutzes geklärt werden konnten. Die Chancen für Jugendliche in Berlin werden jedoch nicht nur von der Jugendberufsagentur entscheidend beeinflusst werden. Im nächsten Jahr erwarte ich außerdem das Landeskonzept Berufs- und Studienorientierung Berlin. Dabei handelt es sich um ein landesweites Umsetzungskonzept, mit dem die Schulen in der beruflichen Bildung aktiv vom Land unterstützt werden sollen. Natürlich ist auch hier noch die Ressourcenfrage zu klären, da die Schulen mit zahlreichen neuen Aufgaben betraut werden. Abschließend möchte ich auch noch einmal auf die Situation von Jugendlichen mit Migrationshintergrund am Ausbildungs- und Arbeitsmarkt eingehen. Diese werden im Vergleich zu Jugendlichen ohne Migrationshintergrund noch massiv benachteiligt. Im Vergleich: Bei der Bundesagentur gemeldete Jugendliche ohne Migrationshintergrund erhielten im Jahr 2012 zu 44 Prozent einen Ausbildungsplatz. Währenddessen erhielten Jugendliche mit Migrationshintergrund diesen nur zu 29 Prozent. Zugleich wurden Jugendliche mit Migrationshintergrund, wenn sie einen Ausbildungsplatz bekommen haben, im gleichen Maße übernommen. Wie einleitend gesagt, streben wir nach einer wachsenden Stadt für jede und jeden. Ich möchte mich daher im nächsten Jahr, z.B. durch die Einführung anonymisierter Bewerbungsverfahren, noch intensiver für die Chancen von Jugendlichen mit Migrationshintergrund einsetzen. Auch die Wirtschaft könnte von einer verstärkten Integration nur profitieren. Insgesamt haben wir in dem letzten Jahr sehr viel von dem erreicht, was wir uns als SPD für die aktuelle Legislaturperiode vorgenommen hatten. Natürlich gibt es weiterhin Barrieren, die wir überwinden müssen. Mit einer Weiterführung der bisher sehr konstruktiven Arbeit werden wir das aber mit Sicherheit schaffen. Ich bin gespannt auf das Jahr 2015.

  • Quellen:

www.hamburg.de/jugendberufsagentur/ www.uvb-online.de/2014_04_28_Berliner_Erklaerung.pdf www.bagwfbm.de/article/2035 www.psw-berlin.de/programme/duales-lernen/ www.morgenpost.de/berlin/article133840865/Ladenhueter-Lehrberuf-Berlins-Branchen-fehlt-der-Nachwuchs.html library.fes.de/pdf-files/wiso/10918.pdf

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