Franziska Becker MdA zu Besuch bei der Investitionsbank Berlin (IBB): Gezielte Förderung für mehr Wirtschaftswachstum

15.09.2015: Gespräch mit Sonja Kardorf, Mitglied des Vorstandes der IBB, bei einem wichtigen Landesbetrieb

Eine Station meines Wilmersdorfer Stadtteiltages führte mich in die Spichernstraße. Dort war ich mit Sabine Kardorf, Mitglied des Vorstandes der Investitionsbank Berlin (IBB), verabredet. Sie ist verantwortlich für den Bereich Finanzen und Controlling. Mit ihr tauschte ich mich über aktuelle Trends der Berliner Wirtschaft aus, wie sich der dringend notwendige Wohnungsneubau finanzieren lässt und wie sich die IBB weiter gut entwickeln kann. Das Gespräch habe ich wie folgt zusammengefasst.

Im Gespräch mit Sonja Kardorf, Vorstand der IBB (Foto: V. Neef)

  • Berlin ist eine wachsende Stadt. Welchen Beitrag kann die IBB beim Wohnungsneubau und für mehr Wirtschaftswachstum leisten?
  • Das sind genau unsere Aufgaben und die stehen im Zusammenhang. Mehr Einwohner brauchen mehr Arbeitsplätze und mehr Wohnungen. Beim Wirtschaftswachstum hat die IBB Erstaunliches bewegen können. So haben wir seit der Ausgründung der Bank in 2004 mit 12.000 Finanzierungszusagen insgesamt 21 Milliarden € an Investitionen ausgelöst. In diesem Zeitraum konnten so mehr als 150.000 Arbeitsplätze geschaffen oder gesichert werden. Beim Wohnungsneubau ist die IBB der zentrale Förderer von bezahlbarem Wohnraum und hat 900.000 der 1,9 Mio. Wohnung in Berlin gefördert und so einen wesentlichen Beitrag für die gute "soziale Mischung" Berlins geleistet.

  • Welche Voraussetzungen müssen erfüllt sein, dass der Wohnungsneubau gelingt?
  • Es ist weniger die Frage, ob der Wohnungsneubau gelingen kann, sondern dass ausreichend Wohnungen für bedürftige Berlinerinnen und Berliner entstehen. Beim Neubau gibt es bereits eine große Dynamik, was die Anzahl der Baugenehmigungen zeigen, die von rund 12.500 in 2013 über 19.200 im Vorjahr (2014) auf bis zu 35.000 in diesem Jahr steigen können - "schlanke " Genehmigungsverfahren, eine unterstützende Stadtgesellschaft sowie attraktive Finanzierungsangebote vorausgesetzt. Mit diesen Faktoren kann der Bau preisgünstiger Wohnungen durch Förderprogramme unterstützt werden. Senat und IBB haben hierzu soeben die Konditionen spürbar verbessert. Wir bieten jetzt zinslose Darlehen mit Tilgungsverzicht oder einkommensorientierte Zuschüsse an und sind guter Dinge, dass nun verstärkt private Investoren den IBB Wohnungsneubaufonds nutzen werden.

  • Die IBB bietet eine Vielzahl von Förderangeboten. Was sind Ihre aktuellen Schwerpunkte?
  • Eine Förderbank muss immer dort eingreifen, wo der Markt die Dinge nicht selbst reguliert. Beispielweise bei der Förderung von Gründungen, die den Geschäftsbanken oft zu kleinteilig oder risikoreich sind oder aktuell beim Wohnungsneubau, wo der Markt zwar ein starkes Wachstum hervorbringt, das sich aber in erster Linie auf den höheren Preisbereich konzentriert. Dazu kommen auch Infrastruktur-Themen wie die Rekommunalisierung der Wasserbetriebe oder zukünftig auch des Gas- und Stromnetzes. Wir können Finanzierungen strukturieren und sind gerne "der Dienstleister" für das Land. Im Übrigen entlastet unsere Darlehensvergabe auch den Haushalt, da die ausgereichten Mittel in der Regel zurückkommen und somit revolvierend einsetzbar sind.

  • Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist für Eltern ein wichtiges Thema. Inwieweit hat die IBB auf diese Entwicklung reagiert?
  • Unsere letzte Mitarbeiterbefragung hat gezeigt, dass die Belegschaft der IBB ihren Arbeitgeber als sicher und sozial schätzen. Wir haben sehr flexible Gleitzeitregelungen, vielfältige Teilzeitmodelle, auch für Führungskräfte, die es unseren Beschäftigten ermöglichen, Familie und Beruf zu vereinbaren. Das Thema Pflege gehen wir aktiv an, da das immer mehr betrifft. Wir haben ein Eltern-Kind-Zimmer eingerichtet, falls kurzfristig keine Betreuung organisiert werden kann. Dazu veranstalten wir einmal im Jahr einen Kindertag, bei dem rund 100 Kinder in die Bank kommen, um den Arbeitsplatz der Eltern kennenzulernen. Wir brauchen engagierte Kolleginnen und Kollegen, die sich mit der IBB identifizieren. Das ist uns wichtig.

  • Was sind aus Ihrer Sicht die wichtigsten Herausforderungen in Berlin in den kommenden Jahren?
  • Berlin ist eine wachsende Stadt und das ist ein Geschenk. Aber genau das führt zu immensen Herausforderungen. In Verbindung mit den großen Flüchtlingsströmen, die nach Berlin kommen, ist es unsere Aufgabe, bezahlbaren Wohnraum und attraktive Arbeitsplätze zu schaffen.

  • Und wie unterstützt die IBB die Berliner Politik?
  • Indem wir das machen, wofür wir stehen: als Förderbank des Landes Berlin, Leistung für Berlin!

Literatur:
IBB-Wohnungsmarktbarometer 2015
IBB-Wohnungsmarktbericht 2014

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